Ausgabe vom 31. Oktober 2009

Halloween-Grusel im Kommen
Leipzig hat Spaßfaktor des irischen Festes erkannt

Reformationstag oder Halloween? Auch dieses Jahr wieder eine Grundsatzfrage. Doch ein Grüppchen Leipziger Amerikanistikstudenten hat sich entschieden. Zum dritten Mal organisieren sie im 4Rooms Pubclub am heutigen Sams-tag eine gruselige Party mit Kostümprämierung, Horror-Quiz und -Kino. 300 Halloweenfans kommen bestimmt. Tendenz steigend. Denn Leipzig hat den Spaßfaktor dieses ursprünglich erns-ten Festes erkannt und umgesetzt. Mehrere Dutzend Partys für Erwachsene und Kinder (u.a. in Belantis und im Leipziger Zoo) bringen Karnevalsstimmung in die Stadt. Dabei hatte die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November schon immer eine besondere Faszination. Manche behaupten, dass dann bereits die Kelten ein Totenfest gefeiert haben. Aber die Halloweennacht ist auch der Übergang zu Allerheiligen, dem hohem christlichen Feiertag. Gefeiert wurde ursprünglich vor allem im katholischen Irland – wo es eigentlich beleuchtete Rüben gab, die der Bösewicht Jack vom Teufel geschenkt bekam (http://de.wikipedia.org/wiki/Halloween). Auswanderer nahmen den Brauch mit in die USA und nahmen statt Rübe den Kürbis ins Spiel – der bis heute das Markenzeichen dieses geheimnisvollen Festes ist.

Schwarze Elfe geht Miss Amerika an den Kragen? Zu Halloween ist alles möglich, finden Julia und Maria (v.l.) die zum Fest die Party organisieren.
Schwarze Elfe geht Miss Amerika an den Kragen? Zu Halloween ist alles möglich, finden Julia und Maria (v.l.) die zum Fest die Party organisieren.
hallo! Foto: ST

Text: ST


Rekordproteste gegen Streckenausbau des Citytunnels

Welch’ Extreme: Am gestrigen Freitag wanderte am Bayerischen Bahnhof der Portikus als Schokoladenvorzeigetermin für den Citytunnelbau in seine Ausgangsstellung zurück. Am gleichen Tag verabreichten die Städte Leipzig und Markkleberg sowie betroffene Bürgerinnen und Bürger dem Eisenbahnbundesamt eine bittere Pille: Seit der Wende hat es in ganz Mitteldeutschland noch nie einen größeren Bahn-Bürgerprotest gegebenen als den jetzigen gegen die „netzergänzenden Maßnahmen im Abschnitt Engelsdorf-Gasch-witz“. Klartext: Damit sich die ICEs überhaupt erst mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h dem Citytunnel nähern können, muss die Zufahrtsstrecke aus dem Süden kommend von 2011 bis 2013 tüchtig ertüchtigt werden (hallo! berichtete). Die tausendfachen Bürgereinwände muss die das Planfeststellungsverfahren durchführende Leipziger Landesdirektion bis kommenden Freitag über sechs Tage strecken. Leipzig und Markkleeberg äußerten ihre Bedenken wegen der geplanten Vollsperrung von Teilabschnitten der Engelsdorf-Gaschwitzer Strecke.

Die Markkleeberger Siedler am Wolfswinkel protestieren am Bahnübergang Equipagenweg auf ihre Weise: Die Pläne der Deutschen Bahn sind einfach nur zum Ohren zuhalten.
Die Markkleeberger Siedler am Wolfswinkel protestieren am Bahnübergang Equipagenweg auf ihre Weise: Die Pläne der Deutschen Bahn sind einfach nur zum Ohren zuhalten.
hallo! Foto: AK

Gerade Markkleebergs Oberbürgermeister Dr. Bernd Klose ist stinksauer über die Bahnpläne. „Eine im Bauzeitraum in Aussicht gestellte zehnmonatige Vollsperrung bedeutet im Zehnminutentakt geschlossene Bahnschranken an der Rat-hausstraße und somit eine Verstopfung der Stadt“, so seine bekannte Position. Dazu Bahnsprecherin Daniela Bals: „Die Planung stellt beim Neubau der Brücken sicher, dass nur die Rathausstraße und die Zöbigker Straße in den Kreuzungsbereichen gleichzeitig gesperrt werden. Die Überbauten der Eisenbahnüberführung Breitscheidstraße sollen vorgefertigt und zeitversetzt eingeschoben werden.“ Scharfen Gegenwind ernten die Bahnpläne auch bei den Anwohnern der als Waldbahn bezeichneten Westquerung. Sie soll in der Vollsperrungsphase mit durchschnittlich tagsüber 96 und nachts 32 Zügen den kompletten Süd-Nord/Nord-Süd-Verkehr aufnehmen – nahezu vollständig ohne vorherige Schallschutzmaßnahmen. 1.396 Sammeleinwendungen betreffen die Lärmsorgen der Waldbahn-Anwohner. Weitere ca. 50 Neu-Siedler am Markkleeberger Wolfswinkel, die bereits jetzt durch stetig wiederkehrende hohe Umleitungstakte genervt sind, lassen sich durch das Leipziger Rechtsanwaltsbüro Götze vertreten. Die hallo! vorliegende Einwandsliste offenbart folgende Rangfolge der Störgründe: 18mal die Nennung „unsicherer Schulweg“ durch den unbeschrankten Bahnübergang Equipagenweg, 15mal Lärm, 14mal Schlafstörungen. Und man mag es kaum glauben: Ein Einwand besagt sogar „Kind mit Behinderung geboren durch nächtliche Ruhestörungen.“ Laut Bahnsprecherin Bals sind acht Kilometer lange Schallschutzmaßnahmen im Bereich Engelsdorf – Gaschwitz vorgesehen – jedoch nicht am Wolfswinkel-Areal. Zum weiteren Procedere: Bei denjenigen Anhörungspunkten, bei denen Städte oder Bürger mit der Bahn nicht auf einen Nenner kommen, wird die Landesdirektion nach Auskunft von Sprecher Stephan Barton „Empfehlungen“ aussprechen. Eine zumindest wochenlange Entscheidungsverspätung droht.

Text: AK